Erinnert ihr euch, als ich ein halbes Jahr in Gent war? Da habe ich Laura kennengelernt. Sie hat zusammen mit mir in Münster studiert, dann ist sie für ihren Master nach Kopenhagen gegangen. Und langsam wurde es Zeit, dass ich sie mal besuche. Außerdem haben ja schon mehrere (lies: zwei) der Lesenden hier explizit mehr Blogposts verlangt.
Beim Planen meiner Reise gab es rasanten Erkenntnisgewinn. Erste Erkenntnis: Kopenhagen ist weiter weg, als ich dachte. Zweite Erkenntnis: Dementsprechend lang ist auch eine Zugfahrt nach Kopenhagen. Dritte Erkenntnis: Vernünftige Zugverbindungen von Münster aus gibt es nur ungefähr dreimal am Tag. Vierte Erkenntnis: Vielleicht sollte ich mir am Freitag zusätzlich den halben Tag Urlaub nehmen.
Eine Dreiviertelstunde Umstiegszeit in Hamburg reicht ja wohl aus, oder? Nee, denkste. Also aufgehobene Zugbindung genutzt, einen früheren Zug nach Hamburg-Harburg (warum ist es IMMER Hamburg-Harburg?) genommen und von da aus mit dem ÖPNV den Weg zum Hauptbahnhof bestritten. Im ersten Zug bin ich im Familienabteil bei drei Frauen auf ✨Mädelsausflug✨ untergekommen, die gerade ihre erste Flasche Sekt geöffnet hatten. Goals.
Nach einem kurzen Sprint und einer Fahrt in der massiv ungesund klingenden S-Bahn nach Hamburg HBF hat die Zeit noch gereicht, ein Frust-Franzbrötchen zu kaufen. Zusammen mit mir im Zug nach Kopenhagen saß ein ganzer dänischer Schuljahrgang, die Geräuschkulisse gestaltet sich entsprechend. Bei der Fahrtkartenkontrolle hat der Zugbegleiter uns mit Fun Facts über den Zustand der auf dieser Strecke verkehrenden Züge versorgt. Die Kurzfassung: Schlecht. Die lange Version: Die DSB (Dänischen Staatsbahnen) haben wohl von der DB Züge geliehen, die in Deutschland längst aussortiert wurden. Statt eines neuen dänischen Zuges, den sie eigentlich letztes Jahr schon auf die Schienen bekommen wollten, gab es also ein Stück deutscher Zugbaugeschichte aus den 80ern.
Nachdem wir die dänische Grenze überquert hatten, lief dann alles super. Unser Zug? Pünktlich, auf die Minute. Der Sonnenuntergang? Wunderschön. Der Mond am Horizont? Riesig. Und sogar Feini-Alarm im Nebenanteil.



Als ich als gerade ein bisschen eingeschlafen war, hing mir auf einmal das leuchtende Ende eine Taschenlampe im Gesicht. Anscheinend hatten mehrere der Schüler, die in Kolding ausgestiegen waren, ihre Taschen vergessen. Und die wurden jetzt gesucht. Bei uns in der Kabine war aber nichts zu holen, also durfte ich weiterschlafen.
Aber genug über die Anreise. Ich habe drei Leitsätze für die nächsten Tage:
- If they have a pastry, I get a pastry.
- Alles, was der ÖPNV kann, können meine Füße auch.
- Dänische Kronen sind keine echte Währung und werden später sicherlich nicht auf meinen Kontoauszügen stehen.
Spätestens am Montag wissen wir alle mehr drüber, ob das so geklappt hat.
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