Wie so oft in den letzten Tage begann mein Tag heute mit einer Zugfahrt. Dafür gab es aber kein Onigiri, denn heute war Shinkansen-Tag und Shinkansen-Tag bedeutet Ekiben-Tag. Ekibens sind kleine Luchboxen, die man sich an Bahnhöfen kaufen kann und dann bei 285 km/h genüsslich essen kann (daher kommt übrigens auch der Name. Eki ist japanisch für Bahnhof und ben ist kurz für bento boxen).
Nachdem ich mich also mit einem QR-Code-Ticket durch ein System, was nicht für QR-Code-Tickets gebaut wurde, gekämpft und ein Ekiben gekauft hatte gings ans Gleis. Da fuhr gerade der vorherige Zug ab, also konnte ich mich schonmal brav in die Reihe für den nächsten Zug stellen. Der ist dann auch irgendwann gekommen und für 10 Minuten durfte ich dem Zugperson zuschauen, wie sie den Zug sauber gemacht und die Sitze gedreht haben. Irgendwann lief dann auch der Zugführer unglaublich dripped out an uns vorbei und kurz danach durften wir in den Zug.


Die ganze Reise war als ÖPNV-Fan natürlich ein Traum, besonders cool fand ich aber immer die Zeitpunkte, in denen zwei full speed Shinkansen aneinander vorbeigefahren sind. Da hat auf einmal der ganze Zug von dem Windstoß ein bisschen gewackelt und nach wenigen Sekunden waren alle 16 Wagons schon an dir vorbei.
Zweites Highlight war der Fuji, den ich zum ersten Mal diesen Urlaub sehen durfte. Zwar war er ein bisschen bewölkt, trotzdem hatte ich glaube ich zumindest ein bisschen Glück mit der Sicht. Jetzt ist nur noch die Frage, ob ich für den Rückweg auch eine Fuji-Sicht nehme oder mich lieber auf die Meeresseite setzen will.



Die 476km bis nach Kyoto haben wir dann wie nach Plan in 2:15 Stunden hinter uns gebracht (ich wünschte die DB könnte sowas), sodass ich gegen 13:30 den Bahnhof dort verlassen durfte. Da Check-In hier immer erst um 16 Uhr ist hatte ich noch ein paar Stunden bis dahin vor mir, wollte aber nicht die ganze Zeit mit meinem Gepäck rumlaufen. Gottseidank gibt es hier Schließfächer en masse, ungottseidank waren aber die 1500+ Schließfächer komplett voll, weswegen ich erst ein paar Mal im Kreis laufen musst, bis eins für mich frei wurde.
Frei von Gepäck bin ich dann zu meinem ersten Garten in Kyoto gelaufen. Der war ziemlich klein und auch sehr schlecht besucht, hatte aber trotzdem ein paar wunderschöne Brücken, Bäche, Teiche und Kirschblüten zu bieten. Wirklich ein Traum von Park, ich glaube bis jetzt mein Lieblingspark.





Von dem Park aus bin ich noch zu einem ziemlich schauerlichen Monument gelaufen, auf dem Weg dahin wurde ich aber ziemlich lange von der Kamo abgelenkt. Die fließt ziemlich breit und flach durch Kyoto, sieht aber wunderschön aus und hat auch unglaublich viele Kirschen an ihrer Seite. Meiner Meinung nach fehlen da auf jeden Fall Bänke, aber ich glaube ich war diesen Urlaub noch nie so von einem Anblick umgehauen (was auch ein bisschen lächerlich ist, weil es nur ein Fluss ist, aber trotzdem).





CW für den nächsten Absatz: Abgetrennte Köperteile
Nachdem ich mich von dem Fluss trennen konnte war ich noch kurz in einem Süßigkeitenladen und bin dann zum Mimizuka gegangen. Hier liegen ca. 38.000 koreanische und 30.000 chinesische Nasen unter einem riesigen Hügel begraben. Die wurden zwischen 1592 und 1598 von der japanischen Armee als Beweis dafür, dass sie einen Gegner umgebracht hatten gesammelt und danach hier begraben. Super wilde Sache, vor allem weil Japan diesen Teil seiner Geschichte nicht unbedingt gut behandelt. Laut Wikipedia ist die Existenz dieses Hügels größtenteils unbekannt und es kommen eigentlich nur koreanische Touristen vorbei.

Neben dem Mimizuka war noch ein kleiner Tempel den ich mir kurz angeschaut habe. Nach diesem Tempel war es Zeit mich wieder zum Bahnhof aufzumachen. Leider war mein Handy fast leer, sodass ich mich nach Gefühl und Erinnerung zurücknavigieren musst, was überraschend gut geklappt hat. Zwischendurch gabs noch einen kleinen Snack am Fluss und so konnte ich Punkt 16 Uhr einchecken.



Nach einer kurzen Verschnaufpause durfte ich mich dann mit dem Bussystem von Kyoto vertraut machen. Da Kyoto ja so eine historische Stadt ist dachten sie sich hier, dass der ÖPNV am besten auch in der Edo Periode steckenbleiben sollte um Touristen nicht allzusehr zu verwirren. Deswegen hat Kyoto nur zwei U-Bahn Linien und alles, was nicht davon abgedeckt wird, ist nur per Bus zu erreichen. Zudem ist das das Bussystem auch einfach etwas gruselig. Hier bezahlt man nämlich erst, wenn man der Bus verlässt. Deswegen steigt man hier auch hinten in den Bus ein und vorne aus. Zudem hält der Bus an manchen Bushaltestellen auch zweimal, einmal um Leute rauszulassen und einmal um neue Leute reinzulassen. Ich weiß echt nicht was die sich dabei gedacht haben.
Trotz dieser Schwierigkeiten konnte ich aber einen Bus zu meinem nächsten Ziel nehmen. In dem Bus habe ich sogar eine super nette ältere japanische Dame kennengelernt, die es für wichtig hielt mich darüber zu informieren, dass das Four Seasons hier teuer und in einem alten Krankenhaus ist. Wir haben dann noch ein bisschen über Deutschland und meine Reisepläne geredet. Nachdem ich ausgestiegen bin hat sie mir noch aus dem vorbeifahrenden Bus zugewunken. Was eine Queen, Grüße gehen raus an dich <3
Das Ziel, was ich trotz diesem netten Gespräch nicht verpasst habe, war Ninenzaka, ein Viertel was aus alter japanischer Architektur besteht. Besonders beliebt ist hier eine Straße, die auf einen buddistischen Tempel zuführt, aber auch sonst gibt es sehr schöne Gebäude und super viele kleine Läden/Cafes. Ich bin hier ein bisschen durchgeschlendert und musst mich im Ghibli-Store von noch mehr Käufen abhalten.











Irgendwann war dann Essenszeit und ich wollte unbedingt in dem Viertel bleiben um nach dem Sonnenuntergang noch ein paar Fotos dort zu machen. Ich bin dann in ein sehr gut bewertetes Restaurant gegangen, was mich aber leider ein wenig enttäuscht hat. Ich habe das Gefühl, dass die Qualität des Essens in Japan linear mit der Fähigkeit der Kellner:innen Englisch zu sprechen abnimmt und hier wurde kein Wort Japanisch mit mir geredet. Schlecht war das Essen trotzdem nicht, aber unglaublich überteuert und einfach etwas mittelmäßig.

Nach dem Essen war die Sonne dann wirklich weg und ich bin nochmal zu dem bekannten Fotospot gegangen. Es war zwar wirklich viel weniger los, aber trotzdem war es nicht möglich ein Foto ohne eine Person zu machen. Irgendwann wurde mir dann zu kalt und ich habe einfach aufgegeben, in die Gegend muss ich aber sowieso nochmal, vielleicht versuche ich es dann wieder.



Der Weg zum Hotel hat dann auch direkt die Probleme mit Kyotos Bussystem aufgezeigt. Während ich in Tokyo nie einen Zug wegen Überfüllung nicht bekommen habe, waren hier um 8 Uhr die Busse so voll, dass ich in zwei nicht mehr reingekommen bin und sich an einer Haltestelle schon so lange Schlangen bildeten, dass ich ich schon zu einer vorherigen Haltestelle gehen musst um überhaupt eine Chance zu haben. Es kam dann aber Gottseidank noch ein anderer Bus, bei dem ich ein bisschen zum Hotel laufen musste, aber das schadet ja auch nicht.
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