Der Tag, an dem Jonas keine Fotos machen durfte

Heute fing mein Tag leider etwas schlechter an als sonst, da mein neuer Erzfeind (das Bussystem Kyotos) meinen jahrelang laufenden „Nicht-in-falsche-ÖPNV-Verkehrsmittel-einsteigen“-Streak gebrochen hat. Ich gebe zu, dass das auch teilweise meine Schuld war, aber in Tokyo wäre mir das definitiv nicht passiert. Um dieses Malheur wieder auszugeleichen bin ich dann aber den Rest meiner Reise zu Fuß gelaufen, sonderlich spannend war das aber nicht.

Mein erstes Ziel heute war die Burg Nijō, welche unserem guten alten Freund Tokugawa Ieyasu (aka. Toranaga) gebaut wurde (bzw. in Auftrag gegeben wurde, fertig wurde die Burg erst während sein Enkel Shogun war). Die Burg ist von einem Wassergraben umgeben, in ihrer Mitte gibt es dann noch einen weiteren Wassergraben, in dem noch ein zentrales Gebäude steht. Zur Zeit der Shoguns wurde diese ganze Anlage als Aufenthaltsort in Kyoto genutzt (In Kyoto hat die Kaiserfamilie gelebt, der Machtsitz der Shoguns war in Tokyo). Irgendwann ist das zentrale Gebäude dann mal abgebrannt (das scheint hier häufiger zu passieren) und wurde erst wieder aufgebaut, nachdem der letzte Shogun in dieser Burg die Macht an die Kaiserfamilie zurückübertragen hat. Danach wurde die Burg von der Kaiserfamilie immer mal wieder bei Ausflügen nach Kyoto genutzt. So, genug Geschichtsstunde.

Bei der Burg angekommen bin ich erstmal ein bisschen durch die Gärten gelaufen. Als ich zum zentralen Teil gekommen bin habe ich gelernt, dass ich hierfür noch ein weiteres Ticket brauche und da ich nicht alle Tage ein UNESCO-Weltkulturerbe sehe habe ich das dann auch noch schnell gemacht. In dem Gebäude darf man weder Schuhe tragen, noch auf die Ritzen zwischen zwei Tatami treten und schon gar nicht fotografieren, woran ich mich heute sowohl offiziell als auch inoffiziell gehalten habe.

Das zentrale Gebäude ist für seine Wandkunst bekannt, die in fast jedem Raum zu sehen ist. Meistens sind das Naturszenen, eine Ansammlung von Räumen bestand zum Beispiel aus einem Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterraum. Wir wurden da immer in Kleinstgruppen reingelassen und es war wirklich erfrischend so einen kulturell wichtigen Ort einmal so entspannt besuchen zu können.

Das andere Gebäude war deutlich voller, Fotos durfte man hier aber auch nicht machen. Hier gab es wieder Wandkunst, ein Großteil der Originale war aber inzwischen in ein Kunstmuseum in der Nähe gebracht worden und wurde durch Kopien ersetzt. Meine zwei Highlights waren hier der Raum, wo der Shogun Besucher empfangen hat und der Boden. Ersterer war nämlich voller Tiger, welche die Stärke des Shoguns zeigen sollten. Die Künstler hatten aber noch nie einen Tiger gesehen und haben die deswegen anhand chinesischer Zeichnungen und Tigerfell gemalt. Außerdem dachte man zu der Zeit, dass jedes dritten Kind eines Tigers ein Leopard sei, weswegen von denen auch ein paar rumrennen (ein paar dieser Fakten können so halb falsch sein, ich durften von den Infoschildern ja leider keine Fotos machen).

Den Boden fand ich so cool, da der ausversehen so gebaut wurde, dass er Nachtigallgeräusche macht, wenn man auf ihm läuft. Das hat zu einer sehr schönen Soundkulisse geführt während hunderte Touristen darüberliefen. Da ja nur das Fotografieren verboten war hab ich hierfür sogar eine kleine Tonaufnahme für euch.

Nach der Burg wollte ich erstmal ein kleines Mittagessen einschieben, wo ich wieder mit dem Bus hingefahren bin (Zitat aus meinen Notizen zu dieser Reise: „Ich hasse Busse“). Ich hatte schon gestern den ganzen Tag Lust auf Curry und während es gestern Abend ja Suppen Curry gab, war das immer noch nicht so ganz was ich wollte. Also bin ich mal wieder in einen super versteckten Laden gegangen. Hier hat der Besitzer dann ein sehr leckeres Curry frisch hervorgezaubert und am Ende hat mich das nur ca. 5€ gekostet. Ich verstehe wirklich nicht wie Essen gehen hier so billig sein kann, wenn ich in Münster für so einen Preis so ein Essen bekommen würde würde ich nie wieder selber kochen.

Das Restaurant hatte ich mir ursprünglich ausgesucht, da es so nah an meinen nächsten Programmpunkten war. Wie schon versprochen wollte ich noch zu einem Nintendo-Laden und hier in Kyoto gibt es auch einen Laden, den ich vor Jahren mal auf TikTok gesehen hatte und nu(unu)n endlich besuchen konnte. Bei nuunu Kyoto kann man auf nur ganz wenigen Quadratmetern Probestücke von japanischen Künstlern kaufen. Von Gemälden im Anime-Style über abstrakte Kunst bis zu Fotos oder Kollagen ist hier für jeden was dabei. Da es sich um Probestücke handelt ist das ganze auch relativ erschwinglich (der durchschnittliche Preis pro Kunstwerk liegt bei so 40-50€), sodass ich mir direkt zwei Kunstwerke gekauft habe. Wenn man sich ein Kunstwerk nicht kaufen kann/will ist auf jedem Stück auch ein Link zu dem Instagram-Profil des/der Künstler:in, sodass man die Person zumindest so unterstützen kann. Wirklich ein unglaublich cooler Laden, in dem man Stunden verbringen könnte, ich wünschte so etwas gäbe es auch in Münster (auch wenn sich mein Geldbeutel das sicherlich nicht wünscht).

Im Nintendo-Laden wurde ich dafür wieder ein bisschen enttäuscht. Die meisten interessanten Designs waren auf irgendwelchen komischen Dingen (ach ja, ich wollte schon immer einen Küchentimer mit einem super coolen Animal Crossing Design), sodass ich nur mit einem T-Shirt, zwei Magneten und einem Controller aus dem Gacha-Automaten nach Hause gegangen bin.

Bevor ich aber meine neuen Schätze im Hotel deponieren konnte wollte ich noch einmal zu der Straße, bei der ich am Sonntag schon war. Hier gab es noch eine weitere Straße in der Nähe, die sehr schön aussah, aber auch keine Fotos erlaubt hat. Nachdem ich durch die durchgelaufen bin wollte ich eigentlich noch zu einem Tempel mit einer riesigen Statue, da durfte aber leider seit 8 Minuten niemand neues mehr rein. Also habe ich mich wieder in einen Bus gezwängt (Kyoto, pls fix) und bin erst zum Hotel gefahren.

Nach einer kurzen Entspannungsphase konnte ich mich dann wieder aufraffen und habe mich auf den Weg zu einem Ramen-Restaurant gemacht. Am Sonntag hatte ich hier eine lange Schlange Einheimischer vor der Tür gesehen, also dachte ich mir, dass der Lade wohl nicht so schlecht sein kann. Nach kurzer Wartezeit konnte ich dann bestätigen, dass die Einheimischen wohl wissen vor welcher Tür sie warten. Das Fleisch ist bei diesen Preispunkten immer ein bisschen mid, aber die Suppe und Nudeln waren unglaublich lecker. Das Essen war zwar ein bisschen awkward, da ich mit einem japanischen Mann zusammen an einen Tisch gesetzt wurde und wir uns so die ganze Zeit beim essen zugeschaut haben, aber für so ein leckeres Essen lass ich das gerne mit mir tun.


Kommentare

Eine Antwort zu „Der Tag, an dem Jonas keine Fotos machen durfte“

  1. Ew, why generisches Maskulinum? 🙁
    Oder gab es da nur Kunstwerke von männlichen Künstlern?

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