Auf den Spuren von Kazuma Kiryu

Da ich noch ein bisschen mehr Stress mit Kerstin und Konny anfangen wollte habe ich meinen Tag heute mit einem weiteren Bus und zwar diesmal in Richtung des Senso-Ji Shrines gestartet. Kurz vor meinem Ziel sind wir über eine Brücke über die Sumida gefahren wo es sehr viele Kirschblüten gab, sodass ich ein bisschen backtracken musste. Von der Kirschblüte aus ging es dann wirklich zum Shrine, welchen ich ehrlicherweise ziemlich mittelmäßig fand. Meiner Meinung nach war der viel zu voll und auch viel zu kommerzialisiert, sodass ich nach einem kurzen Reinschnuppern wieder gegangen bin.

Mein nächstes Ziel war der Ueno Park mit seinen Museen. Auf dem Weg dahin habe ich endlich gefrühstückt und mich dann von einem Sojasaucen-Laden sidetracken lassen. Da ich alleine im Laden war hatte ich die vollkommene Aufmerksam der Verkäuferin und durfte mich durch wirklich jede Sauce, die dort verkauft wurde, einmal durchprobieren. Nach dieser Sidequest habe ich den Park dann irgendwann erreicht und bin dort ins Tokyo National Museum gegangen. Das ist in mehrere Gebäude unterteilt, ich habe aber nur das Hauptgebäude besucht.

Hier konnte man einmal die gesamte Kunstgeschichte Japans nachvollziehbar. Das Museum ist relativ schnell gesehen und overstayed sein welcome nicht unbedingt, trotzdem wurde es irgendwann ein bisschen samey. Auch hat man dem Museum teilweise angemerkt, dass es ein bisschen underfunded ist. Das Museum hier hat nämlich nur 1/17 des Budgets des Louvres oder 1/5 des Budgets des British Museum, was an der Präsentation echt erkennbar war.

Mein Highlight waren auf jeden Fall die (Schrift-)Rollen, die unglaublich schöne Szenen dargestellt haben. Eins hat zum Beispiel die Geschichte von einem Vogel erzählt, der zum buddhistischen Mönch wurde, weil sein Kind von einer Schlange gegessen wurde. Teile davon gibts hier zu sehen:

Nachdem ich mit dem Ausstellungsteil fertig war durfte ich auch noch durch das lagern verschiedener Stempel ein eigenes Kunstwerk „herstellen“, was ich sehr süß fand.

Nach dem Museum war ich ein bisschen von decision paralysis gepackt, habe mich dann aber gegen ein weiteres Kunstmuseums und für das Naturkundemuseum Tokyos entschieden. Hier war 90% des Textes nur auf Japanisch (im anderen Museum war alles übersetzt), also bin ich da mehr durchgeschlendert. Beim Schlendern habe ich (Achtung Kerstin, hol dir schonmal ein Taschentuch) Hachiko getroffen, der hier ausgestopft ausgestellt wird. Außerdem hatte er zwei ausgestopfte Freunde dabei, nämlich Taro und Jiro. Die beiden wurden 1958 für elf Monate mit 13 anderen Hunden von ein paar japanischen Wissenschaftlern in der Arktis zurückgelassen und nur sie haben es überlebt. Aber alle guten Dinge müssen irgendwann enden, weswegen sie jetzt hier zu sehen sind.

Da ich mit den Museen sehr schnell durch war habe ich spontan noch Shinjuku an meinen Tag dran gehängt. Shinjuku liegt nördlich von Shibuya und in ihm befindet sich (zumindest zu 50%) der meistbesuchteste Bahnhof der Welt. Da rausgekommen bin ich erstmal nach Kabukichō, welches ein relativ bekanntes Rotlichtviertel ist. Ich bin hier aber aus etwas familienfreundlichen Gründen hingegangen, denn in diesem Stadtteil spielen ein Großteil der Yakuza-Spiele, welche ich sehr gerne mag (und definitiv weiterspielen muss). Es ist immer wild die reale Vorlage für so ein Videospiel zu sehen und hier war es auf keinen Fall anders. Die Straßen sehen ziemlich genau so aus wie im Spiel und ich war sogar kurz in dem Don Quijote, in dem ich im Spiel immer Massen an Sushi gekauft habe.

Während ich da rumgeschlendert bin wurde Kabukichō auf einmal von Godzilla angegriffen. Anscheinend passiert das jede Stunde und die Zerstörung bleibt immer ziemlich minimal, weswegen die Einheimischen da gar nicht mehr drauf reagieren. Für mich als Touristen war es aber auf jeden Fall spannend.

Nachdem ich das Viertel ein bisschen erkundet hatte und wirklich keinem weiteren Promoter ausweichen wollte habe ich mich auf zum Tokyo Metropolitan Government Building, dem Sitz der Tokyo Metropolitan Government gemacht. Hier kann man auf eine gratis Aussichtsplattform (genau genommen sind es sogar zwei) und dazu kann ich nicht Nein sagen. Die Aussicht von da oben war wirklich auch super. Wäre der Fuji heute nicht bewölkt gewesen hätte man ihn von da oben sogar sehen können, ein wirkliches Ende von Tokyo konnte ich heute aber wieder nicht erkennen. Ich frage mich mittlerweile, ob nicht auch Münster Teil der Metropolenregion Tokyo ist.

Auf dem Weg zu der Aussichtplattform habe ich auch gelernt, dass auf der Fassade des Gebäudes Abends alle 30 Minuten eine kleine Show stattfindet. Dafür hat das Gebäude sogar einen Weltrekord für das größte permanente Architektur-Projektionsmapping-Display (klingt ziemlich made up tbh) gewonnen. Da ich mir sowas natürlich nicht entgehen lassen kann habe ich in der Nähe zu Abend gegessen und bin danach wieder zu dem Gebäude gelaufen.

Um 18:30 ging dann die erste Show des Abends los und sie war wirklich unglaublich cool. Das ganze war 15 Minuten langund jeweils in so ca. drei minütige Segmente unterteilt. Highlight war definitiv ein Musikvideo für den Song Idol aus dem Anime Oshi no Ko, das Pac Man Video, was danach kam war aber auch ganz cool. Am Wochenende gibt es hier auch immer eine Godzilla Show, weswegen ich stark überlege (je nach Wetter) morgen Abend noch einmal hier vorbeizuschauen.

Auf dem Weg zum Hotel wollte ich noch einmal kurz in Kabukichō vorbeischauen um die ganzen Neonlichter bei Nacht zu sehen. Da ich mich aber erst in einem Bahnhof verlaufen habe, dann in irgendeinem wirren Bürogebäude war und zu guter Letzt auch einfach noch in die falsche Richtung gelaufen bin wurde der Ausflug ein bisschen länger. Gelohnt hat es sich aber auf jeden Fall. Sogar der Torbogen am Eingang hat geleuchtet, ein Traum.

P.S.: Wenn jemand von euch die Yakuza Spielreihe nicht kennt und vom Titel verwirrt ist, Kiryu ist der Protagonist dieser Reihe.


Kommentare

4 Antworten zu „Auf den Spuren von Kazuma Kiryu“

  1. Avatar von Kerstin
    Kerstin

    Kann man hier auch mal einen Blogpost ohne tragische Hundegeschichten bekommen?

    1. Ich verspreche nichts, aber wie viel mehr tragische Hundegeschichten können hier realistically noch existieren?

  2. Ich habe audibly gegaspt als ich gelesen hab, dass das Schwert dem echten Toranaga gehört und das permanente Architektur-Projektionsmapping-Display war ja so dope.

    1. Dieses Bild ist auch zu 90% nur für dich im Blog gelandet lol

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